






"Unique" betitelte sie ihr Debütalbum. Einzigartig. Unverwechselbar. Charakteristisch. Einfach Juliette, Nachname Schoppmann, Alter 25, Geburtsort Stade, Wohnort Köln. Einfach einmalig. "Ich hatte nie Interesse daran, mit meiner Musik in eine bestimmte Schublade einsortiert zu werden", erläutert Juliette die Einstellung zu ihrer Musik. "Ich finde, es ist das Schlimmste, was einem Künstler passieren kann, wenn man bei ihm oder ihr immer gleich schon nach drei Sekunden weiß, wohin die musikalische Reise gehen wird. Meine Lieder sollen niemals langweilig sein, das war mir schon immer ganz wichtig, mein Traum auch schon vor DsdS."
"Deutschland sucht den Superstar", Koseform DsdS. Für alle, die das vergangene Jahr im Koma oder der Isolierhaft verbracht haben, sei gesagt: Juliette Schoppmann hat bei der ersten Staffel dieser erfolgreichsten aller televisionären Casting-Unterfangen den zweiten Platz belegt. Die Nation stand Kopf, Juliette wurde zu einer der öffentlichsten Frauen in unserem Land. Was nicht immer ein Ve-gnügen ist. "Natürlich ist Medienpräsenz wichtig, aber du wirst total zur Zielscheibe. Wenn du nicht ins Schema passt, dann bist du halt der Arsch. Irgendwann bist du dann abgehärtet und weißt: "Na gut, heute ich, morgen der Boris und übermorgen Bärbel Schäfer".
Zum Glück war Juliette keine 17 mehr, als der Rummel losging. Auch ihre Erfahrung im Showgeschäft hat geholfen, die Dinge richtig einzuordnen. Sechs Jahre lang stand Juliette bereits vor DsdS auf der Bühne, da hat sie schon mitbekommen, dass es mal nach oben, mal nach unten und mal unter die Gürtellinie geht. "Ich wusste, das ist ein temporärer, aufgepushter Hype, der sich auch wieder abschwächen wird. Ich meine, mal ehrlich, was haben wir denn schon geleistet? Die richtige Karriere, die richtige Arbeit, fängt doch nach `Superstars´ erst an. Ich habe mich regelrecht darauf gefreut, dass es wieder ruhiger, wieder normaler wird in meinem Leben. Dieses öffentliche Dasein ist nicht meine Welt."
Grundsätzlich in Frage gestellt hat die 23-Jährige ihre Entscheidung, beim Casting mitzumachen, j-doch nie. Die Bühne ist ihre Welt, die Weichen für ein Leben im Schaugeschäft stellte sie bereits sehr früh. Mit zehn Jahren begann die Tochter einer Französin und eines Deutschen ("Da meine Eltern die Sprache des jeweils anderen nicht gut konnten, unterhielten sie sich immer auf Englisch. So bin ich dreisprachig aufgewachsen") mit dem Ballettunterricht in der Schule von John Neumeier in Hamburg, sie wollte klassische Tänzerin werden. Sechs Jahre dauerte die Ausbildung, parallel unternahmen die Lehrer am Tanzinternat, in dem Juliette auch wohnte, zudem den Versuch, das Mädel in den übrigen Fächern zu unterrichten.
Mit gemischtem Erfolg. "In Mathe stand ich immer kurz vor der 6, das hat überhaupt keinen Spaß gemacht. In Sprachen war ich gut, vielleicht zu gut." Wer in Französisch ständig die Lehrerin korrigiert und irgendwann gesagt bekommt "Wenn Du das alles besser weißt, dann mach Du doch den Unterricht", und dann tatsächlich ans Pult geht, um "Der kleine Prinz" durchzunehmen, macht sich zwar bei den Mitschülern, weniger jedoch bei den Lehrkräften beliebt. Jedenfalls, trotz eines IQ-Test-Ergebnisses von 162 ("blöd bin ich wohl nicht"), war nach der zehnten Klasse Schluss. Juliette ging zur Musicalausbildung und bekam - dank ihrer phänomenalen Stimme - schnell erste Engagements. In Köln etwa sang sie zwei Jahre bei "Saturday Night Fever". "Ich bin sehr leistungsorientiert aufgewachsen. Für vieles, was man so als Teenager erlebt, hatte ich einfach keine Zeit, eine richtige Pubertät habe ich gar nicht erlebt, auf Engtanzparties war ich auch nie, und wilde Clubnächte sind auch nicht so mein Ding." Die Begründung leuchtet ein: "Wer seinen Lebensunterhalt damit verdient, für andere Leute Party zu machen, der hat es privat am liebsten so ruhig und entspannt wie möglich."
Nach den Musicals kam das Vorsingen für RTL, eine gute Freundin hat sie dort einfach ohne ihr Wissen angemeldet, und der Rest ist Geschichte. "Ich lebe trotz allem genau das Leben, das ich immer wollte, das ich mir gewünscht, ja erträumt hatte. Ich bin aber nie den geraden Weg gegangen und traue mich, die Dinge so anzugehen, wie ich mir das vorstelle." Das nennt man dann "Selbstbewusststein" oder "Risikobereitschaft". Juliette weiß eben, was sie kann. Mit "Größenwahn" (den man ihr unterstellte, als sie sich weigerte, ihre Lieder von Dieter Bohlen schreiben zu lassen) hat diese gesunde und im instanthitfixierten Popgeschäft nicht unbedingt alltägliche Einstellung jedenfalls nichts zu tun. "Ja, es stimmt, ich wollte lieber mit anderen Produzenten als mit Dieter arbeiten. Na und? Acht andere Kandidaten haben auch nicht mit Dieter gearbeitet."
Zum Glück hat Juliette neben Stimmtalent und einer durchaus reizvollen optischen Gesamt-erscheinung - bei einer RTL.de-Wahl wurde sie gar zur "Erotischsten Frau Deutschlands" erkoren, was sie dann doch ziemlich verwirrt hat - auch Köpfchen, und so lässt sie sich zwar durchaus beraten, sich aber dennoch nichts aus der Hand nehmen:
Gemeinsam mit ihrer damaligen Plattenfirma BMG und durchaus nichts überstürzend, hat man ein Konzept entwickelt, einen Stil, bei dem Juliette sich absolut wohl fühlt. Der Mut zu ungewöhnlichen Schritten ist ausdrücklich Teil des künstlerischen Selbstverständnisses. So kam mit "Calling You" als erste Post-DsdS-Single eine ergreifende Ballade ausgerechnet dann auf den Markt, als es in Deutschland gefühlte 65 Grad warm war und alles nur ab in den Süden wollte. Der Nachfolger "Only Uh Uh" ging dagegen in die komplett entgegengesetzte Richtung, die Nummer klang fast schon schwarz und hatte ein bisschen was Princemäßiges. "Genau diese Vielfalt ist das Konzept", erklärt Juliette. "Ich will mich nicht eingrenzen lassen, weil das weder zu meiner Stimme noch zu meinem eigenen Musikgeschmack passt." Vermutlich wäre es eine ihrer leichteren Übungen gewesen, mit irgendeiner Kommerzkomposition noch höher in den Charts zu landen. Aber das Ziel ist nicht, von 0 auf 100 und dann womöglich schnell wieder auf 0. Das Ziel ist eine solide, langfristige, glaubwürdige Karriere. Mit Liedern, die Juliette glücklich machen, und Arbeitspartnern, die fest an sie glauben und ihr vertrauen. "Musik ist für mich alles andere als Fastfood", sagt Juliette. "Manchmal finde ich es schade, wie gleichgültig und lieblos die Menschen mit Musik umgehen, aber man sollte überlegen, ob daran nicht vielleicht auch die Musik selbst eine Mitschuld trägt. Für mich jedenfalls kann Musik viel, viel mehr, als ihr oft zugebilligt wird: Sie kann überraschend sein und alle Facetten eines Menschen abbilden. Wir sind lieb, böse, extrovertiert, schüchtern, wütend und glücklich. Alle unsere Gefühle kön-nen wir in Liedern ausdrücken." Und wem das so überzeugend gelingt wie Juliette Schoppmann, 23, aus Stade, Mathe 6 und Französisch 1, der darf dann auch ein Album herausbringen mit dem Titel "Unique".
Derzeot ist Juliette ein gern gesehener Stargast auf Galas, tritt zusammen mit ihrer Live-Band auf zahlreichen Festivals auf und arbeitet, getreu ihrem Lebensmotto "Mach dich selbst glücklich!", mit verschiedenen Produzenten an neuen Song-Projekten und hat damit auch schon das Interesse anderer Majorlabels geweckt.
Bei „Cover Me“ ist Juliette mittlerweile zum dritten Male dabei. Nach einem furiosen Duett mit Pe Werner und einer mitreißenden „Lady Marmelade“-Performance im Vorjahr darf man gespannt sein, mit welchem Titel sie dem Publikum 2005 den Atem rauben wird!
Homepage: www.juliette-dsds.at.tf